Interview mit Florian Schuster

Inhaber farlo projektmanagement GmbH, Koblenz

Zollstock, Gerüstbau und das Sperren des zu bearbeitenden Objektes gehörten bisher zu den erforderlichen Notwendigkeiten, um ein Gebäude, einen Raum, ein Gebiet oder einen Industriekomplex in Höhe, Tiefe oder Breite für Bau- und Gestaltungsmaßnahmen erfassen zu können. Mit der Marktdurchsetzung mittels digitaler Erfassung, des dreidimensionalen Einmessens – dem 3-D-Scanning - wurde es möglich, komplexe architektonische oder industrielle Räume millimetergenau zu erfassen. Daraus ergeben sich für den Bauherrn, Inhaber oder Auftraggeber Daten, die auch dem Budget zugutekommen.

Florian Schuster, Inhaber des farlo projektmanagements in Koblenz, verwendet bei seiner Arbeit das farlo 3-D-Scanningsystem. Die Einsatzmöglichkeiten der modernen Technik bestehen sowohl bei der Planung des gastronomischen Ladenbaus als auch bei Großprojekten wie Einkaufszentren oder Denkmalobjekten. Mit Florian Schuster sprach Dieter Schmidt, freiberuflicher Journalist u. a. für die Bonner-Kölnische Rundschau.

Schmidt: „Herr Schuster, welchen Vorteil bringt Ihnen dieses 3-D-Scanning für Ihre Arbeit?“

Schuster: „Ein gut geplantes bzw. gut geführtes Projekt startet immer mit perfekt erstellten Planungsunterlagen. Mit dem 3-D-Laserscanning können wir auf eine Distanz von bis zu 330 Metern eine Toleranz von +/- 2 mm erreichen. Und dies innerhalb kürzester Zeit.“

Schmidt: „Daten zu erfassen ist die eine Seite, die Datensicherung und Analyse die andere. Wie verwenden Sie die Messwerte und welchen Bearbeitungsweg gehen Sie, um das Objekt 'haargenau' gestalten zu können?“

Schuster: „Beim Erfassen vor Ort legen wir bereits ein Scanregister an. Dort werden Projektdaten wie Kundenname, Standort, Anzahl der Stockwerke etc. angegeben und elektronisch hinterlegt. Ganz gleich, ob ein einzelnes Kleinobjekt oder eine ganze Kathedrale erfasst wird, der Vorgang ist stets der gleiche. Der Innendienst (Außendienst = Aufmaß vor Ort // Innendienst = BackOffice) fügt dann die einzelnen Scans eines Objekts zusammen. Hier wird eine unglaubliche Anzahl von Messpunkten verarbeitet. Der Scanner erfasst ca. 976.000 Messpunkte pro Sekunde. Zusätzlich nimmt der Scanner nach dem eigentlichen Scanvorgang dann noch das Scanobjekt mit einer eingebauten Digitalkamera auf. Wenn Sie davon ausgehen, dass ein einzelner Scan zwischen 5 Minuten und einer 1 Stunde dauern kann, können Sie sich vorstellen, welche Datenmenge am Ende eines Scantages vorhanden ist.“

Schmidt: „Diese digitale Aufarbeitung und die Nutzung der Daten sollten für den Auftraggeber überschaubar und nachvollziehbar sein. Wie garantieren Sie dem Kunden, dass er Ihre Arbeit versteht und auf die Distanz zu Ihnen detailansehend z. B. per Telefon beraten werden kann?“

Schuster: „Nachdem die Daten ausgewertet sind, stellen wir diese dem Auftraggeber auf einer Internetplattform, dem sogenannten WebShare zur Verfügung. Dies hat den Vorteil, dass der Auftraggeber keine spezielle Software benötigt, sich aber trotzdem dreidimensional im Raum bewegen kann. Alle diese Daten hinterlegen wir auf dem Server für den Kunden für die gesamte Projektdauer und nach Absprache über diese hinaus. Alle erfassten Daten erhält der Auftraggeber zusätzlich natürlich auf einem Datenträger. Elektronische bzw. digitalisierte Daten, stets griffbereit und kein Zettelwirrwarr mehr.“

Schmidt: „Somit gehören Zollstock und die bisherige Erfassung mittels Fotografie der Vergangenheit an. Welche räumlichen Notwendigkeiten müssen vorhanden sein, um das System einsetzen zu können?“

Schuster: „Ja, Zollstock und Fotografie sind bei uns Geschichte. Prinzipiell benötigen wir keine weiteren räumlichen Voraussetzungen. Wir können auch bei absoluter Dunkelheit arbeiten, dann sind jedoch keine Fotoaufnahmen möglich. Trocken sollte es sein. Unter Wasser oder bei Regen können wir nicht arbeiten. Der Scanner ist mit unserem Blickfeld zu vergleichen. Alles, was wir sehen, 'sieht' auch der Scanner. Er blickt nicht um Ecken und auch nicht durch Wände hindurch. Dies hat zur Folge, dass wir bei abgewickelten Räumen beispielsweise den Scanner an mehreren Standorten positionieren müssen, um alle Ecken, Kanten und Objekte zu erfassen.“

Schmidt: „Kann jeder Raum mit seinen Werkstoffen vermessen werden, z. B. Beton, Glas oder Metallstreben?“

Schuster: „Alles, was sich im Blickwinkel des Scanners befindet, kann erfasst werden, unabhängig vom Material. Würden wir also mal Ihr Büro erfassen, sollten Sie zuvor aufräumen. Jede Kaffeetasse, jeder Bleistift, das Papier im Papierkorb, alles wird erfasst. Diesen Vorteil der 'Totalen – Erfassung' macht sich z. B. die Kriminaltechnik bei der Aufnahme an Tatorten zunutze. Hiermit können alle Details erfasst werden und später im Büro oder bei Gerichtsverhandlungen als Beweis vorgetragen werden. Dies ist sicherlich ein Nischenkunde, aber bei der Dokumentation von Bauschäden oder im Bereich des Denkmalschutzes ist diese lückenlose und detaillierte Dokumentation fast schon Tagesgeschäft.“

Schmidt: „Mit der neuen Technik dürften für den Auftraggeber zeitliche und wirtschaftliche Vorteile einhergehen. Wo sehen Sie den Einsatz für beide Seiten als gewinnbringend an?“

Schuster: „Mit der neusten Generation des Scanners wurde die Laserschutzklasse 1 verbaut. Nun ist es möglich, ohne besondere Absperrung und Sicherheitsvorkehrungen im Alltag Scans durchzuführen. Somit können wir nun z. B. während laufender Produktion die Produktionshallen erfassen oder einen Supermarkt komplett abscannen. Teure Stillstand- oder Ausfallzeiten für den Auftraggeber sind damit ausgeschlossen. Ein erneutes Aufmessen, da irgendein Detail vergessen wurde, gibt es nicht. Allerdings setzt dies ein hohes Maß an räumlichem Denken und Erfahrung an den Bediener des Scanners voraus. Diese Person entscheidet über die Auswahl der Scanstandorte und somit über Erfolg und Qualität der Daten.“

Schmidt: „Welches Projekt stellt für Sie eine besondere Herausforderung dar?“

Schuster: „Wir sehen jedes Projekt als Herausforderung. Nicht umsonst lautet unser Firmenleitspruch: 'Wir setzen Maßstäbe!' Bei jedem Projekt muss man sich auf neue Wiederholung einstellen, neue bauliche Situationen, Wettereinflüsse sowie spezielle Kundenforderungen. Jeder Auftrag ist anders und es gibt keine Routine.“

Schmidt: „Welches bauliche Objekt wäre Ihr Wunschobjekt?“

Schuster: „Eine gute Frage. Ich laufe jeden Tag mit offenen Augen umher und sehe überall mögliche Scanobjekte. Ein wahrer Genuss war der letzte Urlaub in der Toskana. Eine solche Anzahl von wunderschönen Bauten, unvorstellbar. Aber zurück zu Ihrer Frage. Es gibt nicht das eine Wunschobjekt. Es sind die alten Gebäude, die mich immer faszinieren und die ich für die nachfolgenden Generationen dokumentieren und durch die 3-D-Erfassung spürbar machen möchte.“

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